FABCON2006 (1): Erfolgsbilanz der ersten drei Jahre„Fit am Ball“
FABCON2006 (2): Kinder und Übergewicht - Experten diskutieren
Drei Jahre „Fit am Ball – Der Schul-Cup von funny-frisch“. Deutschlands größtes Schulsport-Förderprojekt zur Prävention von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Bei der „1. Internationalen Nachhaltigkeitskonferenz ‚Fit am Ball’“ (FABCON 06) am 11.11.2006 in Köln diskutierten Experten die Ursachen des Problems Übergewicht, sowie die Resultate von „Fit am Ball“. Projektleiter Prof. h.c. Dr. Jürgen Buschmann zog die Bilanz der Evaluation von „Fit am Ball“ (Stichprobe: 1.159 Kinder aus 32 von 1.000 Projektschulen und deren Lehrer). Besonders Kinder aus sozial schwachen Familien, sowie Mädchen im Allgemeinen, profitierten von den Sport-AGs, die unter dem Motto „Fit am Ball forever“ auch 2007/08 fortgesetzt werden. Außerdem testet die Universität Wien im kommenden Jahr „Fit am Ball“ in Österreich für den EU-weiten Einsatz des Projektes. Ebenfalls neu: Der Frankfurter Soziologe Ulrich Oevermann leitet 2007/08 ein Projekt soziologischer Grundlagenforschung zur Genese von Übergewicht im Rahmen von „Fit am Ball“. Erik Harms (Plattform Ernährung und Bewegung), Michael Hübel (EU Kommission) und Mark Verstegen (US-Fitness-Experte) beurteilten bei der FABCON 06 inhaltliche Aspekte des Projektes, das vom Kölner Kartoffelchips-Hersteller Intersnack im wesentlichen finanziert, sowie von der CMA in Bonn („Bestes vom Bauern“) inhaltlich unterstützt wird.
Exemplarische Statements der Referenten:
| Prof. Dr. Ulrich Oevermann (Soziologe, Universität Frankfurt): „Der Leib ist die Basis für alle Bildungsprozesse. Und Übergewicht, heute ein gesellschaftspolitisches Problem erster Ordnung, ist als Ausdruck eines gestörten Verhältnisses zum eigenen Leib immer auch Ausdruck eines fehlgeleiteten Bildungsprozesses. Nun stellt sich die Frage: Wie kann man eine Korrektur einleiten, nicht durch Manipulation von außen, sondern durch Selbstbildungsprozesse? In meinen Forschungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass der gesamte Komplex musisch-ästhetischer Erfahrung, wozu ich auch Sport rechne, in den Schulen immer weniger Berücksichtigung findet. Dies ist aber ein sehr wichtiger Bereich, ohne den man schulische Bildungsprozesse gar nicht in Gang setzen kann.“
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Mark Verstegen (Sportwissenschaftler, Fitness-Coach der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Scottsdale/Arizona):
„Amerika ignorierte lange das Problem Übergewicht, und jetzt sind 25 Prozent unserer Kinder betroffen. Nun schauen wir nach Deutschland, wie man hier mit dem Programm ‚Fit am Ball’ dem Problem begegnet. Man sagt hier, jetzt reicht’s, lass’ uns etwas tun, um den Trend zurückzudrehen. ‚Fit am Ball’ ist für mich eine der wichtigsten Initiativen in diesem Bereich. Ein sehr gutes Modell, um Kinder aktiv und engagiert zu machen. Nicht nur einfach fit: ‚Fit am Ball’ bringt Kinder dazu, Spaß daran zu haben, aktiv zu sein.“
| Prof. Dr. Erik Harms (Kinderarzt, Plattform Ernährung und Bewegung, Berlin): „’Fit am Ball’ entspricht genau den Zielen der Plattform Ernährung und Bewegung. Der Bewegungsansatz, den Fit am Ball vertritt, ist das Allerwichtigste. Denn es ist nicht belegt, dass das Ernährungsverhalten Übergewicht fördert, sondern es ist eher die Bewegungslosigkeit. Allgemein gesehen sind die Determinanten von Übergewicht bei Kindern in erster Linie Erbanlagen und Verhalten der Eltern. Das größte Risiko ist also die Familie. In sozialen Randgruppen, in bildungsfernen Familien, die sich weniger bewegen, tritt das Problem am stärksten auf. Ein Programm wie ‚Fit am Ball’ kann die Inkompetenz von Eltern ersetzen, weil es bei Kindern die Begeisterung für Sport steigern kann.“
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| Michael Hübel (Politologe, EU Kommission, Luxemburg): „Der Kampf gegen das zunehmende Übergewicht von Kindern wird ein Schwerpunkt unserer Gesundheitspolitik bleiben. Wir haben vor, 2007 ein Weißbuch zur Bewegung und Ernährung vorzulegen, worin wir unsere Aktivitäten in diesem Bereich darstellen. Darin wird es darum gehen, vor Ort Aktivitäten wie ‚Fit am Ball’ zu unterstützen. ‚Fit am Ball’ ist in diesem Zusammenhang eine sinnvolle und sehr interessante Aktivität in Deutschland.“
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| Dr. Werner Wolf (Psychologe, Geschäftsführer Absatz Intersnack, Köln): „Als Sponsor begeistert mich die Qualität, mit der ‚Fit am Ball’ konzipiert, durchgeführt und evaluiert worden ist. Ich war auch immer persönlich neugierig und interessiert, wie sich das Projekt entwickelt. Bei den großen ‚Fit am Ball’-Turnieren die Begeisterung der Kinder zu erleben, das lässt einem das Herz übergehen. In Zukunft möchten wir das Projekt an 50 Schulen mit den neuesten Erkenntnissen noch einmal vertiefen, vor allem im Bereich der sozialen Unterschicht. Denn wir wissen heute, dass die Probleme sich in der sozialen Unterschicht und in Migrantenfamilien häufen. Die zweite Frage betrifft die Nachhaltigkeit: Wie schaffen wir es, dass die Kinder aus der AG heraus sich weiter mit Bewegung beschäftigen? Auch Forschung in diesem Bereich werden wir weiterfinanzieren.“
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| Prof. h.c. Dr. Jürgen Buschmann (Sport- und Erziehungswissenschaftler, Deutsche Sporthochschule Köln): „Wir haben vieles angestoßen, viele positive Zeichen gesetzt, doch das ist nicht genug. Unser Ziel muss sein, dass Bewegung ganz allgemein in Schule und Freizeit eine wesentlich größere Rolle spielt als bisher. Nicht nur was die Prävention von Übergewicht betrifft - auch im kognitiven Bereich können wir durch Bewegung Fortschritte verzeichnen. Deshalb wird ‚Fit am Ball’ unter dem Motto „Fit am Ball forever’ fortgesetzt.“
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| Prof. Dr. Michael Kolb (Sportwissenschaftler, Uni Wien): „Es gibt auch in Österreich einen Bedarf, den Sportunterricht an den Schulen wieder deutlicher zu positionieren und ihm einen größeren Stellenwert zu geben. Es gab in Österreich in den vergangenen Jahren Stundenkürzungen in diesem Bereich. Deshalb halte ich es für wichtig, dass „Fit am Ball“ als zusätzliches Angebot jetzt an die Schulen kommt. Vielleicht gelingt es ja, das Ruder herumzureißen und den ästhetischen Fächern wie Kunst, Musik und Sport wieder einen größeren Stellenwert zu geben.“
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| Prof. Dr. Walter Tokarski (Soziologe, Rektor Deutsche Sporthochschule Köln): „Fit am Ball" ist eine große Erfolgsstory. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass wir mit dem Projekt Kinder, Lehrer und Eltern begeistern können, auch Profisportler, damit sie sich als Paten engagieren. Aber dass wir 35.000 Schülerinnen und Schüler erreichen würden und dass die Firma Intersnack aufgrund dieses Erfolges bereit sein würde, mit uns ‚Fit am Ball’ weiterzumachen und sogar in EU Regionen vorzustoßen, davon haben wir nicht geträumt.“
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